Poker im Wandel der Zeit

Poker wird seit Jahrhunderten gespielt. Das Spiel, wie wir es kennen, entwickelte sich in den 1960er-Jahren und 1970 gab es dann erstmals eine Weltmeisterschaft. Wurde der Weltmeister Johnny Moss im ersten Jahr noch gewählt, so wurde ab 1971 richtig gespielt. Seit 1972 beträgt das Buy-in beim Main Event 10.000 Dollar.

Tatsächlich ist dieses 10.000 Dollar Main-Event, die eigentliche Weltmeisterschaft, einer der wenigen Fixpunkte in der Pokerwelt. Seit seiner Einführung hat sich vieles verändert. Die WSOP selbst wurde im Laufe der Zeit immer größer und größer. Seit dem legendären Sieg von Chris Moneymaker 2003, der den Pokerboom auslöste, entwickelte sich Poker immer mehr zur Mainstream-Beschäftigung. Und Werbegeld gilt in Las Vegas mittlerweile mehr als das Spiel. Das drückt sich vor allem durch die zunehmende Zahl der No Limit Hold’em Events aus, während andere Varianten immer mehr in den Hintergrund rücken.

Früher wurden vor allem Limit Events, sei es Stud, Omaha oder Draw Poker, gespielt. 1979 gab es erstmals auch ein Mixed Doubles Event, wobei jeweils ein Mann und eine Frau ein Team bildeten. Durchsetzen konnten sich Doyle Brunson und Starla Brodie. Lange konnten sich diese Mixed Events allerdings nicht halten, dafür gab es 1995 einen neuen Trend: Chinese Poker. Auch diese Events verschwanden zwei Jahre später wieder vom Schedule. 2003 wandte sich die Pokerwelt schließlich vom Limit-Spiel ab und No Limit Hold’em wurde immer dominanter. Anders als Europa ist Amerika aber noch immer eine wahre Fundgrube an exotischeren Varianten. Big O und auch die verschiedenen Lowball Games sind das ganze Jahr über zu finden, während sich in Europa alles auf No Limit Hold’em und Pot Limit Omaha konzentriert.

Aber nicht nur die Varianten veränderten sich im Laufe der Zeit, auch die Regelwerke mussten ständig verändert werden. Hielt man sich früher fast ausschließlich an Hausregeln, so versuchte man mit Beginn der 2000er Jahre ein einheitliches Reglement einzuführen. Früher konnte ein Spieler zum Beispiel „Deckchange“ verlangen. Das artete manchmal derart aus, dass an nur einem Abend über 80 Kartendecks an einem Tisch benötigt wurden. Oder aber ein Spieler schied aus einem Turnier aus, weil er nach einem verlorenen Pot nicht einmal mehr den Big Blind bringen konnte. Die Setzregeln veränderten sich im Laufe der Jahre genauso, wie die Bestimmungen zum Showdown. Alles wurde bis heute jedoch nicht vereinheitlicht, denn die Regeln der Tournament Directors Association (TDA) und die der European Poker Tour (EPT) sowie der Federation Internationale de Poker Association (FIDPA) weichen in Kernpunkten noch immer voneinander ab.

Verändert haben sich auch die Austragungsorte. In den 1990er Jahren waren Baden-Baden, Baden bei Wien und auch Dortmund und Bregenz wahre Pokermetropolen. Mit Beginn des neuen Jahrtausends spielte dann auch das Concord Card Casino Wien eine bedeutende Rolle und viele internationale Stars gaben sich die Ehre. Viele Turnierserien, wie die European Masters of Poker oder die European Poker Masters, kamen und gingen. Mittlerweile gibt vor allem PokerStars mit den vielen Liveevents der EPT und den regionalen Touren den Ton an. Die WPT versucht seit Jahren, sich parallel zur EPT in Europa zu etablieren, die Versuche der WSOP können als fehlgeschlagen eingestuft werden. Aber im Oktober 2015 kann man erstmals in Berlin um die begehrten Bracelets spielen, auch eine WSOP Circuit Tour durch Europa soll organisiert werden.

Poker hat sich der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit angepasst. Wegzudenken ist das Spiel sicherlich nicht mehr, und wenngleich der Pokerboom zurückgeht, wird Poker seinen Platz in der Gesellschaft behalten.

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