Realitycheck

Es ist ein bisschen so, als würden wir in den Tagebucheinträgen verschiedener Spieler kramen: Wir haben uns alte Interviews bekannter Spieler angesehen, um herauszufinden, welche Vorstellungen sie von ihrer Zukunft hatten und lassen diese mal durch den Realitycheck laufen.

Sabine Hahlweg

Im Januar 2008 nahm Chris Moneymaker am Main Event des PCA, des PokerStars Caribbean Adventure teil. Selbstsicher verkündete er in einem Interview vor Turnierstart:

„Ich habe mir vorgenommen, dieses Turnier zu gewinnen und ich rechne auch damit, es zu gewinnen.“

Es kommt jetzt vermutlich wenig überraschend: Chris Moneymaker erreichte bei diesem Event nicht mal die Geldränge. Den Sieg holte sich damals Bertrand „ElkY“ Grospellier.

Der österreichische Poker-Pro Stefan Rapp antwortete im Mai 2008 auf die Frage nach seinen Zielen in der Zukunft mit folgendem Satz:

„Ein großes Turnier einmal zu gewinnen wäre natürlich schön, aber dafür müssen viele Faktoren zusammenpassen. So wie das Niveau in letzter Zeit im No Limit Hold’em gestiegen ist und sich auch die Teilnehmerfelder bei den großen Turnieren stark erweitert haben, kann es wirklich sehr lange dauern, bis man so ein Turnier gewinnt, auch wenn man deutlich über dem durchschnittlichen Spielerniveau liegt.“

So lange hat es dann aber gar nicht gedauert, denn bereits im Juli desselben Jahres gewann Stefan Rapp das Main-Event der CAPT Velden. Er setzte sich damals gegen 185 Spieler durch und gewann rund 95.000 Euro.

Weniger erfolgreich ist die Zukunftsbilanz von Superstar Scotty Nguyen. Im Jahr August 2008 war er gerade am 2-7 Triple Draw Lowball-Trip:

„Diese Disziplin bringt mich zum Wahnsinn, Baby. I tell you, ich liebe dieses Spiel. Wenn ich bei der WSOP ein 2-7 Triple Draw gewinnen würde, dann wäre meine Sammlung perfekt.“

Bis heute hat Scotty Nguyen keinen einzigen HendonMob-relevanten Cash in diesem Spiel einfahren können.

Spannend ist allerdings nicht nur, wie die Spieler selbst ihre Zukunft einschätzen, sondern auch, wie sie über die Zukunft anderer Spieler denken. Dario Minieri meinte in einem Interview, das vor mehr als fünf Jahren geführt wurde:

„Es sind einige sehr gute italienische Spieler im Anmarsch. Ich nenne Max Pescatori, Luca Pagano und einen jungen Spieler namens Alessio Isaia. Er hat noch nichts Großes gewonnen, aber das kommt noch“.

Gut, Max Pescatori und Luca Pagano sind gute italienische Spieler, aber das waren sie damals auch schon. Und Alessio Isaia? Auch der hat es geschafft! Mittlerweile hat er bereits Cashes von über 2,1 Millionen Dollar vorzuweisen und liegt auf Platz 6 der italienischen Alltime-Moneylist. Nice Read, Herr Minieri!

Weg von den Spiel(miss)-erfolgen hin zu Visionen privaterer Natur. Einer, der noch vor einigen Jahren bei keinem großen Event fehlen durfte, war der Deutsche Markus Lehmann. In einem Interview im Mai 2012 wurde er gefragt, ob es für ihn ein Szenario gebe, das einen Schlussstrich für seine Pokerkarriere bedeuten würde – und darauf antwortete er so:

„Solange es Leute in der Pokerszene gibt, die ich mag – und das sind eine ganze Menge –, und solange ich unter ihnen wirkliche Freunde habe – und das sind eine Handvoll – und immer mal wieder ein nettes Gespräch habe oder nette Menschen kennenlerne, solange spiele ich auch Poker.“
Sein letzter HendonMob-Eintrag datiert auf August 2011.
Seit gut zwei Jahren wurde Markus Lehmann von der Redaktion auf keinem Pokerevent mehr gesichtet.

Auch Besim Hot wurde einmal befragt, ob es irgendetwas gebe, das ihn dazu bringen könnte, mit dem Pokern aufzuhören. Seine Antwort fiel so schlicht wie trocken aus:

„Ja, doch, wenn ich sterbe, dann höre ich auf.“

Besim Hot lebt quietschfidel in seiner Wahlheimat, der Schweiz, und erfreut sich bester Gesundheit.

Seit einiger Zeit sind Natalie Hof und Poker-Weltmeister Pius Heinz ein Paar. Ob er ihr ihren Zukunftswunsch erfüllen wird, den sie noch vor zwei Jahren so äußerte:

„Ich habe mir immer vorgestellt, mit 30 – und das bin ich in drei Jahren – auf einer kleinen Farm zu leben. Mit einem Mann, zwei Kindern, Ponys und meiner kleinen eigenen Praxis, in der ich als Kindertherapeutin arbeite.“

Mittlerweile trennt Natalie und die große Drei nur noch ein gutes Jahr …

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