Robbie´s Blogger Blog: Beten, Gus Hansen und 95 Kilometer

Wenn man als Blogger für zehn Tage zur Eureka/EPT fährt, dann ist dies verbunden mit Vorfreude, aber auch mit der Hoffnung, dass die Zeit schnell vorbeigeht. Zum einen gibt es die unzähligen bekannten Spieler, die man dann an einem Ort trifft, die straffe Organisation der Turniere und die daraus resultierende tolle Atmosphäre. Auf der anderen Seite stehen Arbeitstage, die immer zwischen 12 und 15 Stunden lang sind.

Diesmal ging es also nach Wien.  Direkt nach der Landung die erste Konfrontation mit Poker in der S-Bahn auf dem Weg in die City:  In der Tageszeitung „Heute“ gab es einen Vorbericht, der wie folgt begann: „Ab heute wird in der ehrwürdigen Hofburg gebetet, geraist und geblufft“. Aha, die Verantwortlichen der EPT oder des CCC haben also einen Pakt mit der Kirche geschlossen. Bevor es jeden Tag losgeht, fassen sich die Spieler am Tisch an den Händen und beten. Sie bitten um gute Hände und so wenige Badbeats wie möglich. Eine schöne Vorstellung, aber dieser Vorbericht hielt dann noch weitere Sensationen für mich bereit. Da wurden Axel Stein, eine gewisse Sängerin Missy May und auch CommanderKrieger als prominenteste Gäste angepriesen. Artikel dieser Art lassen mir die Adern schwellen. Warum gibt es keinen Redakteur, der eine solche Veranstaltung mit einer entsprechenden Hintergrundinfo verfasst?  Über eine Dackelzuchtschau schreibt ja auch kein Süd-Ost-Asien-Redakteur.

Um die EPT Wien mit etwas Abstand auf den Punkt zu bringen: Die Eureka/EPT Wien war eine grandiose Veranstaltung. Am Ende lag der Gesamt-Preispool für alle Turniere bei über 11 Millionen Euro und viele Superlative wurden geschrieben. Jeder einzelne Bereich, egal ob vor, hinter oder mitten drin in den Kulissen war perfekt organisiert. Sogar die rund 50 Medienvertreter gehörten endlich mal zum „Staff“ und konnten sich kostengünstig in der extra eingerichteten Kantine verpflegen. Und wenn man dies am 9. und 10. Tag immer noch gerne tut, dann kann man die Qualität erahnen.

Was waren meine persönlichen Highlights? Vorweg muss ich gestehen, dass ich seit vielen Jahren ein bekennender Fan von Gus Hansen bin. Er ist einfach ein Typ, der polarisiert. Sein Auftreten und seine Art und Weise, am Tisch zu agieren, sind einmalig. Warum es Spaß macht, ihn beim Spielen zu beobachten, zeigt eine Hand an Tag 2 des Main Events. Bei Blinds 400-800 Ante 100 komme ich gerade an den Tisch, als der Dealer den Flop aufzieht. Dort liegt jetzt 6h-8c-Qd. Gus hatte preflop auf 2.100 geraist, Marko Neumann aus Deutschland im BB auf 7.000 erhöht, Gus callte. Marko spielt nun 7.500 an, Call von Gus mit Chip für Chip. Den Turn mit der 5s checkten beide. Am River kommt 8d, die Marko erneut checkt. Jetzt beginnt das Mienenspiel des Gus Hansen. Er will nicht, er will, dann doch nicht, um dann am Ende 26.600 zu setzen. Im Pott liegen bis dahin ca. 30.000 Chips und Gus hat nur noch 15.000 behind. Marko überlegt kurz und macht den Call. Er zeigt Ac-Ac und kann es nicht fassen, als Gus Hansen 7h-4h zur Straight umdreht. Ok, am Ende wurde der Däne 72. und Marko Neumann landete weit vorne auf Platz 3, aber genau solche Hände vergisst man nicht.

Was man auch nicht von diesen Tagen vergisst, sind die eigenen Beine bei einer solchen EPT. Am Ende hatte ich rund 95 km auf dem Tacho. Jedes Mal betrug der Weg vom Presseraum in den Spielsaal und wieder zurück 300 Meter. Dazwischen lagen 73 Stufen, die für eine gesunde Wadenmuskulatur sorgten. Nach zehn Tagen ist man dann froh, wenn man es geschafft hat, und freut sich schon auf den nächsten Einsatz: die German Poker Tour in Schenefeld mit einem Arbeitsplatz, an dem jeden Tag maximal 300 Meter zurückgelegt werden.