Adrian Apmann im PokerMagazin Exklusiv-Interview

0
EV 01 Bracelet Winner_Roland Reparejo

„Es ist ein gutes Gefühl, wenn du deinen Stiefel runter spielen kannst…“
Adrian Apmann im Pokermagazin Exklusiv-Interview

Er war nach der WSOP und seinem Braceletgewinn* schwer zu erreichen.
Wir haben ihn trotzdem gefunden – auf Skype. Und für ein kurzes Gespräch hat die schwankende Verbindung dann doch gereicht. Egon Mandelbaum im Gespräch mit Adrian Apmann.

Mittwoch 10 Uhr. Außer dem Rauschen aus dem Laptop und Vogelgezwitscher ist nichts zu hören…

Egon Mandelbaum: Und? Hörst du mich? Sag mal was!

Adrian Apmann:
Ja, ich sag mal was…

EM: Es dürfte funktionieren. Gratulation erst mal…coole Nummer…warst du selbst überrascht?

AA Naja, was heißt überrascht? Man fährt dort hin, um so ein Ding zu gewinnen, aber es passiert einfach nicht so oft. Dass man dann die Chance hat am Finaltisch zu sitzen und den auch noch zu gewinnen, ist schon cool.

EM: Wie ist es dir im Turnier grundsätzlich gegangen?

AA Tag Eins fing gemütlich an. Die Struktur war durch die 90 Minuten Levels ja gut. An Tag Eins haben wir auch weniger Levels gespielt, deshalb waren an Tag Zwei noch viele Spieler drinnen. Es ging auch erst am Ende von Tag Zwei ins Geld. Ich hatte mich ziemlich gut gefühlt. Ich hab gleich am Anfang verdoppelt und hatte den ganzen Tag immer einen guten Stack. Überhaupt hatte ich die ganze Zeit relativ gute Tische. Ich konnte einige Chips ohne Showdown machen. Später, als es schon etwas deeper ins Turnier ging, waren meine Tische nicht mehr so gut. Es waren natürlich einige gute Spieler noch drinnen. Unter den Top 50 waren z.B. Antonio Esfandiari und Yevgeniy Timoshenko und noch einige andere. Die hatte ich dann gleich mal am Tisch. Aber, ich hatte nie das Gefühl, „Jetzt läuft es schlecht“ oder „Jetzt muss ich aufpassen“. Das ist schon ein gutes Gefühl, wenn man sich nie Sorgen oder Gedanken machen muss und man seinen Stiefel einfach runter spielen kann.

EM: Und wie war dann der Finaltisch?

AA Tja, der Finaltisch. Alle haben gesagt, dass der Finaltisch so lange gedauert hat. Ich hab das gar nicht so empfunden. Ich hatte das Gefühl, es ging alles superschnell.

EM: Und wie lange dauerte der Finaltisch?

AA Ich glaube, der ganze Finaltisch ging 9 ½ Stunden. Aber dadurch, dass die Spielzeit am Final Table gesplittet auf zwei Tage war…

EM: Das ist auch vernünftig. Es hat doch nichts mehr mit Poker zu tun, wenn die Spieler nach 16 Stunden am Tisch nur noch herumhängen und am Ende vor lauter Müdigkeit jeden Deal zustimmen, nur um ins Bett zu kommen.

MPS_PR_Tag_1A_191114_Adrian_ApmannAA Ja absolut vernünftig. Vor allem, weil bei unserem Turnier kein Ende abzusehen war. Wir hatten relativ lange gebraucht um von zwei auf einen Tisch runter zu spielen. Von 18 Spielern auf zwölf, war die Action richtig hoch. Ich hatte Glück, als wir zu zehnt waren, konnte ich noch die eine Frau (April Facey (CAN), Anm.d.Red.) raus nehmen und bin so als Chipleader an den Finaltisch gekommen. Als der Finaltisch anfing, waren doch alle ein bisschen eingeschüchtert und wollten erst mal schauen was passiert. Wenn man dann Chipleader ist, dann ist es schon ganz cool, weil man auch ein bisschen Druck machen kann. Für mich war es von den Spielern her ein guter Finaltisch. Natürlich waren noch einige gefährliche Spieler dran. Zum Beispiel der Artem Metalidi, der saß links von mir, der ist aber glücklicherweise gegen den Boatman relativ früh gebusted. Aber der Boatman war auch ziemlich gefährlich. Ein alter Haudegen, der schon einige Moves drauf hat. Man muss schon dankbar sein, wenn man einen Finaltisch hat und die Chance ihn zu gewinnen.

EM: Was war dein Gedanke vor der finalen Hand?

AA Ich hatte den Franzosen (Yehoram Houri, Anm. d.Red.) schon mal aufgedoppelt und ich dachte mir nur, „Ach komm, nicht nochmal verlieren, sonst sitzen wir noch zwei Stunden hier.“

EM: Und nachher?

AA Nachdem das Ass kam war nichts. Da waren unendlich, fünf lange Sekunden gar nichts. Kein Gefühl oder sonst was. Ich setzte mich nur kurz hin. Dann kamen die Jungs von der Rail zu mir. Da hatte ich es noch immer nicht realisiert. Dann dachte ich mir nur: „Das kann doch nicht wirklich sein“ – es war aber doch so.

EM: Und dann gab es eine Party?!

AA Jetzt kommt die langweilige Geschichte: Die Party ließ ich aus. Ich hatte fünf Tage durchgehend Turnier gespielt, zwölf bis 13 Stunden am Stück. Ich war also ziemlich k.o. Ich war mit ein paar Leuten von der Rail essen, wir haben ein paar Bier getrunken und sind zurück ins Rio, weil ein Freund von mir am PLO-3k-Finaltisch saß (Andreas Freund, Anm.d.Red.) – den wollten wir auch noch railen. Das dauerte bis zwei Uhr morgens, da war ich schon am Umfallen. Am nächsten Tag kaufte ich mich gleich ins 3k-6-Max ein. Ich nahm die Motivation mit und hab gleich weitergespielt.

EM: Und jetzt machst du Urlaub…

AA Ich bin jetzt in meinem Elternhaus in Deutschland. Das ist eigentlich der beste Urlaub für mich. Das ist am Land und es ist ruhig. Ich mach im Garten was, treffe Freunde, meine Familie ist hier, das ist das Erholsamste.

EM: Wo kommt das Bracelet jetzt hin?

AA Ich denke, meine Mutter wird eine Vitrine dafür finden….

Mittwoch 10 Uhr 10. Außer dem Rauschen aus dem Laptop und Vogelgezwitscher ist nichts mehr zu hören…

*Adrian Apmann sorgte für Deutschlands Bracelet Nr. 2 bei der World Series of Poker (WSOP). Er setzte sich beim $1.500 Extended No Limit Hold’em Turnier durch und sicherte sich so sein erstes Bracelet.

Den ganzen Beitrag über den Finaltisch findest du auf PokerFirma.com.
Klick HIER: ► bit.ly/1JcdS3D

KEINE KOMMENTARE

Kommentar hinterlassen