Dan Shak im Exklusiv-Interview: „Ich mach‘ mir nichts aus Geld“

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Einer, der es nicht mehr notwendig hat, des Geldes wegen zu spielen, ist der amerikanische Geschäftsmann Dan Shak. 2011 verkaufte er seinen Gold-Hedgefonds für mehr als 850 Millionen Dollar. Quasi nebenbei widmet er sich seiner Pokerkarriere. Welche Gemeinsamkeiten es zwischen Poker und Trading gibt und wie er mit Druck umgeht, verrät der 55-Jährige im PokerMagazin Exklusiv-Interview.

Tobias Frey

PokerMagazin: Dan, du hast jahrelang erfolgreich als Hedgefonds-Manager gearbeitet, konntest aber auch im Pokerbusiness bereits zahlreiche Erfolge feiern. Als was würdest du dich derzeit beschreiben?

Shak: Das ist bei mir nicht einfach zu sagen, aber ich finde die Bezeichnung „ehemaliger Geschäftsmann, der hobbymäßig Poker spielt“ gar nicht so schlecht. Ich liebe Poker und bin dementsprechend auch oft an den Tischen zu finden.
PokerMagazin: Richtig gearbeitet wird gar nicht mehr?

Shak: Doch, ich trade immer noch gern. Selbst bei Live-Events sitze ich meistens mit meinem Laptop am Tisch. Meine Pokerleidenschaft steht dem Trading teilweise im Weg und es wäre vermutlich profitabler, wenn ich mich entweder auf die eine oder auf die andere Sache fokussieren würde.

PokerMagazin: Wer im Finanzbereich erfolgreich sein möchte, muss sich vor allem ständig über Unternehmen, Aktien und Kurse informieren. Verfolgst du die Finanzwelt immer noch regelmäßig?

Shak: Ich habe nach der Wirtschaftskrise 2008 aufgehört, ständig die Nachrichten zu schauen. Immer wenn ich einen Fernsehsender eingeschaltet habe, wurde über Krisen oder schwächelnde Firmen berichtet. Es gab mehr schlechte als gute Nachrichten. Deshalb schaue ich mir statt Wirtschaftsnews lieber Pokersendungen an, das macht mehr Spaß (lacht).

PokerMagazin: Durch den Verkauf deines Gold-Hedgefonds hattest du plötzlich mehr als 850 Millionen Dollar auf dem Konto. Wie schwierig ist es, bei solchen schwindelerregenden Summen auf dem Boden zu bleiben?

Shak: Ich komme aus einer bürgerlichen Familie und wurde von meinen Eltern dazu erzogen, bescheiden zu sein. Demut ist wichtig und wir sollten uns immer daran erinnern, wie gut es uns eigentlich geht. Es würde mich freuen, wenn mich andere Menschen auch als bescheiden ansehen würden.

PokerMagazin: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen der Arbeit als Hedgefonds-Manager und Poker?

Shak: In beiden Bereichen geht es sehr wettbewerbsorientiert zu und man benötigt Risikobereitschaft und menschliche Instinkte. Auch wenn teilweise die Karten entscheiden, ob man gewinnt oder verliert, benötigt man diesen gewissen Instinkt, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Beim Poker kann man eine Hand auf unterschiedliche Art und Weise spielen und auch in der Finanzwelt gibt es nicht nur einen Weg, um Erfolg zu haben.

PokerMagazin: Welche Eigenschaften sind erforderlich, um als Pokerspieler und als Geschäftsmann erfolgreich zu sein?

Shak: Disziplin und Bankroll-Management sind zwei essenzielle Punkte. Wer an einem Turnier teilnimmt, für das er eigentlich das Geld nicht hat, wird unkonzentriert spielen. Das Gleiche gilt für Investitionen: Wer zu viel Geld ausgibt, wird Probleme bekommen. Man muss immer davon ausgehen, dass das investierte Geld verloren geht.

PokerMagazin: Kannst du verraten, wie groß der Druck ist, wenn teilweise mehrere hunderttausend Dollar im Spiel sind?

Shak: Natürlich spürt jeder, der mit riesigen Summen umgeht, Druck. Ich sage mir aber immer, dass zu großer Druck bei Entscheidungen nur schädlich sein kann. Deshalb versuche ich, mich von diesen Summen zu lösen.

PokerMagazin: Welche Tipps kannst du geben, um mit Druck umzugehen?

Shak: Ich meditiere oft und nehme mir ganz bewusst Auszeiten, außerdem reflektiere ich regelmäßig meine getroffenen Entscheidungen und überlege mir, ob sie richtig waren. Ein wichtiger Punkt ist natürlich auch die Erfahrung. Über die Jahre hinweg habe ich es geschafft, dass ich nicht mehr so viel über Geld nachdenke.

PokerMagazin: Was gibt es sonst noch zu beachten?

Shak: Es ist wichtig, dass man sich nie von falschen Gefühlen leiten lässt. Wut, Neid oder Missgunst sind niemals hilfreich und sorgen fast immer dafür, dass die Entscheidungsfindung nicht erfolgreich ist. Auch wer nervös oder unsicher ist, macht Fehler. Gerade am Pokertisch ist das ärgerlich, da erfahrene Gegenspieler so etwas sofort erkennen.

PokerMagazin: Vor allem für Anfänger ist es oft ungewohnt, ruhig am Pokertisch zu sitzen und möglichst wenige Tells preiszugeben.

Shak: Deshalb ist Selbstreflexion nützlich. Ich habe mir oft TV-Aufzeichnungen, an denen ich teilgenommen habe, angeschaut und gesehen, welche Reaktionen ich in bestimmten Situationen gezeigt habe. Oft hat zum Beispiel mein Nacken regelrecht pulsiert, wenn ich unter großem Druck gestanden habe.

PokerMagazin: Und nun bist du selbst bei den Super High Roller Events, bei denen die Buy-ins teilweise 50.000 oder 100.000 Euro betragen, ganz entspannt?

Shak: Ich versuche es zumindest (lacht). Das ist noch ein weiterer Tipp, den ich geben kann: Spielt nur Turniere, bei denen ihr euch wohlfühlt. Ihr solltet überzeugt davon sein, mit den anderen Spielern mithalten zu können. Ich genieße es richtig, bei diesen Events dabei zu sein, Spaß zu haben und gegen die Pokerstars anzutreten. Auch wenn ich nur ein Hobbyspieler bin, schätze ich mich nicht zu schwach ein und bin überzeugt davon, dass ich zumindest ab und an eine Chance gegen diese Topspieler habe.

PokerMagazin: Du hast gerade über den Spaß beim Pokern gesprochen. Ist der überhaupt noch vorhanden, wenn es bei den großen Turnieren um unglaublich viel Geld geht?

Shak: Für mich schon, mir macht Poker immer Spaß. Es ist mir egal, ob ich 1.000 Dollar oder 100.000 Dollar für ein Pokerturnier bezahle. Ich habe auch Spaß, wenn ich an Thanksgiving mit meiner Familie pokere und wir überhaupt nicht um Geld spielen. Ich spiele die Super High Roller Events nicht des Geldes wegen, sondern weil sie mir gefallen. Im Vergleich zu den Main Events dauern sie meist nur drei Tage lang. Aufgrund der kürzeren Dauer sind meine Chancen, weit zu kommen, auch höher.

PokerMagazin: Weil du kurzfristig gesehen mit den Topspielern mithalten kannst?

Shak: Ganz genau, meist steht der Final Table bei einem solchen Turnier schon an Tag zwei fest. Bei den Main Events steht man sieben Tage unter Druck und muss jeden Tag darauf achten, keinen gravierenden Fehler zu machen. Es ist frustrierend für mich, wenn ich an Tag drei oder vier schlecht spiele und dann trotz der fortgeschrittenen Spieldauer weit vor dem Finaltisch ausscheide.

PokerMagazin: Reiche Geschäftsmänner sind bei den Profispielern gern gesehene Gäste an den Tischen. Sie gelten als Fische, die nicht gut spielen, aber viel Geld mitbringen. Denkst du, dass du dir aufgrund deiner Erfolge den Respekt der Pros verdient hast?

Shak: Ich denke schon, dass ich nun mehr respektiert werde als zu Beginn. Möglicherweise denken die Topspieler aber immer noch, dass ich ein fischiger Mitspieler bin und sie reiben sich die Hände, wenn ich an den Tisch komme. Vielleicht gehöre ich zu den besseren Geschäftsmännern, die Poker spielen, trotzdem bin ich noch weit entfernt von der Stärke der Profispieler.

PokerMagazin: Als Hobbyspieler bist du im Jahr 2014 viel unterwegs gewesen, unter anderem hast du an Live-Turnieren in Australien, Spanien und auf den Bahamas teilgenommen.

Shak: Das stimmt, wobei ich versucht habe, etwas kürzerzutreten. Ich habe zum Beispiel einige Turniere an der US-amerikanischen Ostküste ausfallen lassen. Allerdings fällt es mir schwer, auf manche Events zu verzichten. Die EPT Barcelona ist immer ein großartiges Festival, deshalb bin ich im Sommer nach Europa gereist.

PokerMagazin: Wie tough sind europäische Turniere im Vergleich zu anderen Events?

Shak: Meiner Meinung nach ist Poker in Europa immer noch auf Wachstumskurs, immer mehr europäische Online-Spieler wagen sich an die richtigen Tische. In den USA gibt es eine Stagnation, was natürlich an der dortigen Online-Pokerproblematik liegt.

PokerMagazin: In deinem Pokerlebenslauf finden sich etliche gute Platzierungen, unter anderem wurdest du in diesem Jahr beim Super High Roller Event des PokerStars Caribbean Adventure Zweiter und konntest dir im Jahr 2010 bei der 100.000 Dollar Challenge der Aussie Millions den Turniersieg sichern. Ist die Motivation überhaupt noch groß genug, Poker zu spielen?

Shak: Es gibt genügend Pokerturniere, bei denen ich noch nicht wirklich gut abgeschnitten habe. Ich war noch nie an einem Final Table bei einem EPT Main Event, bei der WPT kam ich noch nie unter die besten sechs Spieler und ein WSOP-Bracelet besitze ich auch noch nicht. Ich bin stolz auf meine bisherigen Erfolge, aber es gibt immer noch viel zu erreichen.

PokerMagazin: Preisgelder abräumen musst du aber nicht mehr, um dir deinen Lebensunterhalt zu finanzieren, oder?

Shak: Nein, wobei ich mir nicht so viel aus Geld mache. Ich bin ein glücklicher Mensch, der eine tolle Familie und Freunde hat. Mir geht es gut und ich kann mich nicht beschweren. Ich versuche auch immer Menschen zu helfen, die nicht so viel Glück hatten wie ich. Meiner Meinung nach sollte niemand das Ziel haben, so viel Geld wie möglich zu scheffeln. Das Ziel sollte sein, glücklich zu werden.

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