Dominik Nitsche: Ich werde mein Pensum zurückfahren

Er gilt als der größte deutschsprachige Weltenbummler und hat in den vergangenen Jahren an Pokerturnieren rund um den Globus teilgenommen. Dominik Nitsche konnte bereits mehr als 75 Mal bei Live-Events cashen und gewann bislang drei WSOP-Bracelets, einen WPT-Titel und einen LAPT-Titel. In der Zukunft wird der Mindener aber seltener bei Live-Events zu sehen sein, denn im Exklusivinterview kündigt er an, künftig etwas kürzerzutreten.

PokerMagazin: Dominik, gemeinsam mit George Danzer konntest du bei der World Series of Poker mächtig abräumen und gehörst 2014 insgesamt gesehen zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Spielern. Drei WSOP-Bracelets hast du bereits gewonnen, wie viele sollen noch folgen?

Nitsche: Ich mache mir nichts aus Bracelets oder Titeln. Es gibt auch keine Zielsetzung, dass ich mal fünf oder zehn Bracelets besitzen möchte. Mein Ziel ist es mit Poker Geld zu verdienen. Wenn ein paar Titel kommen, ist das ganz schön, aber das ist nicht meine Hauptintention.

PokerMagazin: Die gewonnenen Bracelets trägst du auch nie am Pokertisch.

Nitsche: Ja, ich fände es auch irgendwie albern, damit anzugeben. Die Bracelets stehen zu Hause bei mir auf dem Schreibtisch.

PokerMagazin: Gibt es dort zumindest eine Dominik-Nitsche-Pokertrophäen-Vitrine?

Nitsche: Bis jetzt noch nicht. Ich ziehe bald um, von daher könnte ich mir so etwas natürlich überlegen. Spaß beiseite: Bislang stehen sie einfach neben den Monitoren und wenn es mal ganz schlecht beim Grinden läuft, schaue ich auf die Bracelets, um mich zu motivieren.

PokerMagazin: Du hast gerade deinen Umzug angesprochen, wohin geht es?

Nitsche: Ich bleibe in Edinburgh, aber ich kaufe mir eine eigene Wohnung. Nach der erfolgreichen WSOP kann ich mir so etwas gönnen. Sie wird schön zentral in der City liegen und wird mit zwei Schlafzimmern ausgestattet sein. Voraussichtlich werde ich auch weiterhin mit meinem Mitbewohner Andrew Teng dort leben, da die Wohnung sehr groß ist – für mich alleine wäre das Apartment wohl zu groß.

PokerMagazin: Andere Luxusgüter hast du dir nach deinen Triumphen in diesem Jahr nicht gegönnt?

Nitsche: Nein, ich bin da ganz langweilig. Ich sehe diese Erfolge mittlerweile relativ nüchtern, ich muss nicht durchdrehen und Geld ausgeben, nur weil ich etwas gewonnen habe. Mein Ziel ist es, mich nicht zu sehr auf Resultate zu fokussieren. Ich möchte möglichst viele Hände spielen und weiter hart an meinem Spiel arbeiten.

PokerMagazin: Gibt es denn überhaupt noch materielle Ziele in deinem Leben?

Nitsche: Ich habe alles, was ich brauche, das Leben ist gut. Ich bin insgesamt gesehen ein sehr bescheidener Mensch.

PokerMagazin: Anfang des letzten Jahres musstest du allerdings durch eine gewaltige Durststrecke hindurch. Bis Anfang April konntest du bei offiziellen Live-Events Preisgelder in Höhe von 970 Dollar gewinnen – das deckt natürlich nicht einmal ansatzweise die Reisekosten und Turnier-Buy-Ins. Nun stehst du 2014 bei mehr als 750.000 Dollar und zwei Turniersiegen.

Nitsche: 2014 ist zu einem sehr guten Jahr geworden, das kann man definitiv sagen. Als Turnierspieler kann man aufgrund der Varianz nie erwarten, jedes Jahr mit einem Plus abzuschließen. Von daher ist es natürlich schön, dass ich im Sommer so viel Erfolg hatte. Noch schöner wäre es für mich, wenn ich in einem Jahr mal eine Million Dollar cashen würde, aber das ist kein Muss.

PokerMagazin: Wie gehst du mit längeren Durststrecken um, wenn es gar nicht läuft?

Nitsche: Als Pokerprofi gewöhnt man sich daran, solche Phasen wird es immer geben. Da kann man auch nichts dagegen machen, da muss man einfach durch. Die Varianz ist sehr groß, gerade als Live-Spieler ist es oft schwer: Selbst bei den großen Turnierserien kann man meistens bei den einzelnen Stops nur vier bis acht Turniere spielen und da ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man nicht in die Geldränge kommt.

PokerMagazin: Zweifel an deinem Spiel hattest du aber nie?

Nitsche: Ich war vielleicht etwas genervt und habe gehofft, dass es langsam wieder aufwärts geht. Bei mir kam hinzu, dass auch die Online-Turniere in diesem Jahr sehr durchwachsen liefen. Dafür hatte ich beim Cash-Game Erfolg und ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es auch wieder bei Turnieren laufen wird. Es war natürlich klasse, dass ich bei der WSOP gleich zweimal große Preisgelder abräumen konnte, da konnte ich mich nicht beschweren.

PokerMagazin: Eigentlich bist du seit Jahren als reiner Turnierspieler in der Szene bekannt, seit einiger Zeit versuchst du dich auch verstärkt an Cash-Games. Wie sehen die Fortschritte aus?

Nitsche: Ich spiele hauptsächlich $5/$10 und da lässt sich im Internet gut Geld verdienen. Meistens gibt es zwei oder drei schwache Spieler am Tisch und da ist es natürlich einfach, Profit zu erzielen. Ich würde aber gern noch etwas höher spielen, wobei es auf den höheren Limits dann doch ziemlich tough ist. Wenn ich bei PokerStars auf $25/$50 spielen würde, würden die ganzen Regulars an meinen Tisch kommen und dann wäre es schwieriger, eine Session mit Plus zu beenden.

PokerMagazin: Trotz lukrativer Cash-Game-Partien bleibst du als Weltenbummler aber hoffentlich den Live-Turnieren treu.

Nitsche: Ja, wobei ich mein Pensum zurückfahren werde. Ich werde in der Zukunft mehr selektieren und nicht mehr jedes Turnier mitnehmen. Durch den Wohnungskauf geht etwas Geld von der Bankroll weg und da kann ich künftig natürlich nicht mehr jede Woche Turniere mit Buy-Ins von 10.000 Dollar spielen. Auch die langen Reisen nach Macao oder Australien werde ich wohl nicht mehr so schnell machen.

PokerMagazin: Reisen macht dir aber immer noch Spaß?

Nitsche: Das schon, aber ich möchte auch mehr zu Hause sein. Wenn ich Lust habe, ein Event zu spielen, dann reise ich dorthin und spiele es auch. Wenn ich weniger Lust habe, dann bleibe ich lieber in Edinburgh. Langweilig wird mir definitiv nicht (lacht).