Jonathan Duhamel exklusiv: „Ich bin niemand, der nur pokert“

Im Rahmen der EPT Barcelona 2014 traf Tobias Frey Jonathan Duhamel und bat ihn für PokerMagazin zum Exklusiv-Interview. Wie der ehemalige Weltmeister so lebt und ob Poker oder Party für ihn wichtiger ist, erfahrt Ihr hier.

PokerMagazin: Jonathan, im November ist dein WSOP Main Event-Sieg vier Jahre her. Du hast damals für den Erfolg das begehrte Bracelet und ein Preisgeld in Höhe von knapp neun Millionen Dollar erhalten. Hand aufs Herz, wie viel ist von dem Geld noch übrig?

Duhamel: Eine ganze Menge. Ich habe mir keine riesigen Investitionen gegönnt, ich brauche keine teuren Autos, die eine Million Dollar kosten. Das Einzige, wofür ich viel Geld benötige, sind meine Reisen. Ich mache gern Urlaub und da lade ich dann auch meine Freunde ein und nehme sie mit.

PokerMagazin: Wie sieht denn ein typischer Urlaub im Leben eines Main Event-Champions aus?

Duhamel: Wir waren zum Beispiel vor Kurzem eine Woche lang in Boston. Ich hatte zwölf Freunde eingeladen, dort mit mir zu feiern und Baseball-Matches anzuschauen. Ansonsten genießen wir auch gern die Zeit zu Hause in Montreal und spielen Hockey oder Golf. Im Urlaub möchte ich definitiv nichts von Poker hören und sage auch meinem Manager, dass er mich nicht anrufen soll.

PokerMagazin: Welche Länder und Städte gehören zu deinen Favoriten für einen Urlaub?

Duhamel: Barcelona steht bei mir ziemlich weit oben, die Stadt war jahrelang meine absolute Lieblingsmetropole. Ich bin neuerdings aber auch ein großer Fan von Australien, deshalb würde ich Barcelona als meine Lieblingsstadt in Europa ansehen. Der Strand ist wunderschön und man kann immer etwas erleben.

PokerMagazin: Deutschland und Österreich reizen dich nicht?

Duhamel: Ich war vor einigen Jahren in Berlin und da hat es mir auch richtig gut gefallen. In einem Restaurant habe ich damals Känguru- und Krokodilfleisch gegessen, was ziemlich abgefahren war, aber es hat gut geschmeckt. Im März war ich in Wien bei der EPT und auch dort habe ich mich wohlgefühlt.

PokerMagazin: Bleibst du während Turnierserien, wie der European Poker Tour, nur in den Casinos oder versuchst du auch viel von den Städten zu sehen?

Duhamel: Ich bin niemand, der nur pokert und nicht nach draußen geht. Ich versuche immer auch, möglichst viel von der Kultur eines Landes zu erleben. Aufgrund der Turniere ist es oft aber schwierig, Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Man ist fast den gesamten Tag im Turniersaal. Deshalb versuche ich meist, das typische Essen eines Landes zu genießen, um der jeweiligen Kultur zumindest etwas näherzukommen.

PokerMagazin: Dein Lebensstil scheint sich trotz der riesigen Preisgelder nicht verändert zu haben.

Duhamel: Ich habe trotz meiner Erfolge immer noch den gleichen Freundeskreis, den ich schon vor dem Main Event-Sieg hatte. Ich denke auch nicht, dass ich mich in den vergangenen Jahren groß verändert habe. Nur weil ich ein großes Pokerturnier gewonnen habe, bin ich kein anderer Mensch geworden.

PokerMagazin: Etwas ausgefallen sind allerdings die Jacht-Partys, die du seit drei Jahren regelmäßig organisierst. Gefeiert wird auf einer Jacht in Montreal, für die deine Gäste Eintrittskarten kaufen müssen. Ist es ein neues Geschäftsmodell von dir?

Duhamel: Nein, es ist kein Business von mir, im Gegenteil: Die Partys kosten mich jedes Jahr eine ganze Stange Geld. Ich wollte einfach den Menschen eine Möglichkeit bieten, gemeinsam zu feiern und Party zu machen. Ich bin schon ein Party-Fan und deshalb habe ich mich vor einigen Jahren dazu entschlossen, solche Jacht-Festivals zu starten. Im ersten Jahr war es noch ein relativ kleines Boot, aktuell haben mehr als 200 Gäste Platz. Ich habe oft den Eindruck, dass viele Menschen nicht die Möglichkeit haben, an solchen Events teilzunehmen. Sie arbeiten jeden Tag hart und haben nicht das Geld, um Bootpartys zu feiern. Mit diesen Events möchte ich dafür sorgen, dass diese Menschen im Sommer für wenig Geld Spaß haben können.

PokerMagazin: Wie kann man sich die Partys vorstellen? Dürfen nur Pokerspieler auf die Jacht, die dann über Bad Beats und Strategien diskutieren?

Duhamel: Bei den Partys treffen sich nicht nur Pokerspieler, die Gästeliste ist immer bunt gemischt. Es kommen auch viele Menschen, die einen ganz normalen Job haben. Natürlich lade ich immer meine ganzen Kumpels ein, damit wir gemeinsam Spaß haben. Allerdings bin ich mir zurzeit noch unsicher, ob ich die Partys auch in der Zukunft organisieren werde.

PokerMagazin: Warum?

Duhamel: Es kostet sehr viel Geld und ich muss viel Zeit in die Organisation investieren. Natürlich ist es eine tolle Sache und es freut mich, wenn die Gäste zufrieden sind. Dennoch ist eine solche Party jedes Mal ein gewisser Aufwand.

PokerMagazin: Eine Möglichkeit wäre, einfach den Eintrittspreis zu erhöhen.

Duhamel: Es würde zwar vielleicht funktionieren, um die Unkosten besser zu decken, aber es soll eine spaßige Feier sein. Die Gäste sollen gern kommen und nicht tief in die Tasche greifen müssen, um dabei zu sein.

PokerMagazin: Kannst du verraten, wie das Partyprogramm aussieht?

Duhamel: Insgesamt gesehen bekommen die Gäste schon viel geboten. Alle Drinks sind zum Beispiel kostenlos, es gibt eine Cocktailbar und auf drei Floors legen DJs auf. Meistens geht es um 18.00 Uhr los und um 19.00 Uhr fahren wir dann ein paar Meilen auf dem Meer. Anschließend stoppt die Jacht und es wird bis tief in die Nacht gefeiert.