Zu Mittag mit: Adrian Apmann

PokerMagazin traf sich mit dem Lübecker und Wahlwiener Adrian Apmann, der bei den beiden letzten Großevents in Wien und Baden überzeugen konnte. Bei der WPT erreichte er den 7. Platz und verpasste dadurch knapp den televised Finaltisch, bei der MegaPokerSeries im Montesino spielte er sich auf Rang Drei – beide Platzierungen brachten ihm jeweils 29.000 Euro. Welcher Platz ihm mehr bedeutet und über die Unterschiede der beiden Turniere sprach er mit PokerMagazin-Herausgeber Stefan Roboch.

PokerMagazin: Hallo Adrian. Zweimal Finaltisch, einmal der dritte Platz bei der MPS und einmal der siebte Platz bei der WPT. Welcher Rang bedeutet dir mehr?

Adrian Apmann: Man muss schon einfach sagen, dass das Feld bei der WPT stärker war. Ein siebter Platz dort hat einfach mehr Prestige. Bei der MegaPokerSeries fühlte ich mich gegenüber den anderen Spielern im Vorteil und ich habe recht solide gespielt. Wenn ich aber von wirklich guten Pokerspielern gefordert werde, dann steigert sich auch meine Leistung. Insgesamt war ich schon zufrieden, aber bei der WPT wäre ich natürlich gerne auch weiter gekommen.

Weil du dann nicht nur den Finaltisch, sondern auch den televised Table erreicht hättest?

Ja, genau. Ich bin zwar keiner, der unbedingt darauf steht, in eine Übertragung zu kommen, aber ein wenig Publicity ist auch für die einzelnen Spieler nicht von Nachteil. Und die Preisgeldsprünge, gerade was die Plätze sechs bis eins betrifft, waren ja auch nicht so gering. Aber ich bin zufrieden mit beiden Platzierungen, wobei es lustig ist, dass beide Plätze genau mit 29.000 Euro dotiert waren. Beim nächsten Turnier werde ich gleich schauen, wo 29k stehen, da werde ich dann wahrscheinlich wieder landen.

Wieso hast du den Deal bei der MegaPokerSeries abgelehnt?

So ganz einfach war die Sachlage nicht. Ich habe nicht direkt abgelehnt, sondern wir konnten uns nicht einigen. Ich war mit 60BB Zweiter in Chips mit kleinem Abstand zu dem Polen Kamil Jedrzejczyk. Wir haben uns einen Deal laut ICM angesehen, und da wäre ich meiner Meinung nach schlecht ausgestiegen, weshalb ich eine Forderung von mindestens 41k stellte. Dagegen hatte der Chipleader aber etwas einzuwenden gehabt, was ich vollkommen verstanden habe. Und damit einigten wir uns auf ein Weiterspielen. Und eine halbe Stunde später war ich dann leider nicht mehr im Turnier. Das war zwar blöd, stimmte mich jetzt aber auch nicht wirklich traurig.

Lehnt man deshalb den Deal ab, weil man von sich überzeugt ist, der beste Spieler am Finaltisch zu sein?

Das spielt schon eine Rolle. Sonst hätte ich ja vielleicht den Deal nach ICM Modell angenommen. Aber auch andere Faktoren sind wichtig. Wäre etwa die Struktur schlechter gewesen, hätte ich mich ebenfalls auf einen Deal eingelassen. Ebenso, wenn wir nicht so deep gewesen wären. Aber mit dieser Struktur mit 60BB würde ich gegen diese beiden Gegner, die ich am Finaltisch der MPS hatte, immer wieder spielen.

Wie beurteilst du deinen gesamten Turnierverlauf bei der MPS?

An Tag 2 hatte ich nur etwa den doppelten Startstack, was ja bei so einem deepen Turnier nicht unbedingt viel ist. Aber an Tag konnte ich innerhalb der ersten drei Levels meinen Stack auf 1,5 Millionen ausbauen. Das Timing hat gepasst, und von da an war ich recht zuversichtlich.

Wie ist das Gefühl, an den featured Table zu kommen?

Der erste TV-Tisch an Tag 2 war recht tough. Auf Platz 1 saß ein Freund, der sehr gut Poker spielt. Außerdem waren Fabio Breitfuss und Julian Herold an meinem Tisch. An diesem Tisch habe ich relativ zurückhaltend gespielt.

apmann2 Macht es einen Unterschied für dich, wenn du weißt, der Tisch wird per Livestream übertragen und die Zuschauer können deine Holecards sehen?

An meinem Spiel ändert sich prinzipiell nichts, aber ich mache mir Gedanken darüber, wie sich das Spiel meiner Gegner verändert. Es gibt ja auch Personen, die dann meinen, sie müssen einen großen Bluff machen oder einen Herocall. Also es gilt einzuschätzen, wie sich das Spielverhalten der Gegner durch die Kamerapräsenz ändert.

Wie verändern Preisgeldsprünge dein Spiel?

Es gibt schon Situationen, wo sich das Spielverhalten ändert. Ich versuche konstant zu spielen und diese Sprünge auszublenden. Aber ein wichtiger Punkt ist wieder, wie sich der Gegner in solch einer Situation verhält. Achtet er darauf und ist er bedacht, noch weiter zu kommen – diese Fragen muss man sich stellen. Also werden sie meistens stärkere Hände haben, wenn sie all-in sind. Am Finaltisch spielen die meisten generell ein bisschen tighter.

Deine letzte Hand bei der MPS war 4-5 in Herz. Am Turn ging es mit Gutshot und Flushdraw in die Mitte. Julian Herold sagte im englischen Stream deine Hand voraus – ist sowas unter Profispielern leicht zu erkennen?

So wie ich die Hand in der Phase gegen den Gegner gespielt habe, auf jeden Fall. Hätte ich gewusst, dass mein Gegner eine gute Hand hält, hätte ich meine auch niemals auf diese Weise gespielt. Nachdem wir schon länger am Finaltisch gespielt htten, dachte ich, er würde seine Hand am Turn folden. Ich hatte die Information, dass er Midpair auf Checkraise auch foldet. Es konnte aber auch sein, dass nach dem geplatzten Deal sein Call eine Ego-Sache wäre, so nach dem Motto «jetzt zeig ich‚s dir».

Überwiegt die Freude über den dritten Platz oder die Enttäuschung, weil noch mehr drinnen gewesen wäre?

Erst ist man enttäuscht, weil – wie es Marc Gork zu sagen pflegt – wenn man von drei Spielern Dritter wird, ist man quasi Letzter. Ein bis zwei Tage später, wenn der Ärger über den Bustout verflogen ist, war ich schon zufrieden. Wenn man Turniere spielt und Dritter wird, darf man sich eigentlich nie beschweren.

Worin unterscheiden sich die beiden Turniere WPT und MPS?

Auf jeden Fall in der Spielstärke der Teilnehmer. Ich habe auch von der WPT erwartet, dass das Teilnehmerfeld ziemlich soft, aber trotzdem mit einigen guten Spielern besetzt werden würde. Bei der WPT 2012 hatte ich auch einen Tisch mit erschreckend schlechten Spielern. Durch die Struktur überleben tendenziell die besseren Spieler.

Du hast ja schon einige Turniere gespielt – waren diese beiden Ergebnisse dennoch deine besten?

Ja, waren sie. Live lief es bei mir bisher noch nicht so überragend. Beim WSOP Main Event in Las Vegas konnte ich mich bis an Tag 5 spielen und platzierte mich um den 400. Platz herum. Online konnte ich schon ein SCOOP Event gewinnen und ein paar kleinere Turniere.

apmann3Woran genau erkennst du einen schlechter Spieler?

Das ist gar nicht so leicht, denn mittlerweile spielen schon viele Personen beispielsweise eine Bluff-3bet. Die wirklich guten Spieler kennt man ja, online sowie live. Wenn du jemanden nicht kennst, musst du ihn halt im Laufe des Turnieres richtig einschätzen lernen. Schlechte Spieler haben selten einen Plan für Geschehnisse, die nach ihren Aktionen passieren. Wenn wer mit 99 die 3bet spielt und auf ein All-in foldet, war dies sicher nicht gut durchdacht. Durch die Übertragung von Poker im TV wissen die Leute, welche Moves möglich sind, aber viele verstehen sie einfach nicht. Sie spielen die Moves nach, aber wenn eine Reaktion kommt, die sie nicht erwarten, dann sind sie verloren.

Du bist ja bekannt dafür, dich viel mit dem theoretischen Überbau des Spiels zu beschäftigen, und wirst auch als Vortragender bei APSA Seminaren eingesetzt.

Die Beschäftigung mit der Theorie ist sehr wichtig. Klar, anfangs lernt man mit learning by doing, aber später reicht dies nicht mehr aus. Um das Teilnehmerfeld von Turnieren mit höheren Buy-ins zu schlagen, muss man schon wissen, was die Gegner machen und wie deren Wissensstand ist. Die Einschätzung des Gegners in seiner Gesamtheit ist wesentlich – wie er in gewissen Situationen reagiert. Wenn ich perfekt auf deren Reaktion reagieren kann, dann kann ich Geld mit Poker verdienen.

Wie wichtig ist die richtige Interpretation von Tells?

Da ich viel Online-Poker spiele sind betsize-tells extrem wichtig für mich – obwohl bei Amateurspielern auch schwer einzuschätzen, weil sie selten nachdenken, warum sie einen gewissen Betrag setzen. Was die klassischen Tells betrifft, muss man sich ebenfalls erst mit dem Spieler auseinandersetzen. Manche schauen weg, wenn sie bluffen, manche blicken dich direkt an, also gilt es hier herauszufinden, wer welcher Typ ist. Das war nur ein Beispiel und gilt für verschiedenste Tells.

Eine theoretische Frage an den Experten: Wie hoch müsste meine Bankroll sein, wenn ich jede Woche ein Turnier mit einem Gesamt Buy-in von 1.000 Dollar spielen wollen würde?

Da gibt es verschiedene Ansätze und jeder handhabt es etwas unterschiedlich. Ich würde sagen, dass man vom Durchschnitts-Buy-in der Turniere schon etwa das 300-Fache an Bankroll haben sollte. Auf den kleinen Limits ist die Varianz etwas niedriger, weil die Spieler etwas schlechter sind. Also wenn man die Sunday Majors spielen will und ein paar kleinere Turniere «mitnimmt» und auf ein durchschnittliches Buy-in von 150 Dollar kommt, würde ich zu 300 Buy-ins raten. Es gibt auch Zeiten, wo man 1.000 Games verliert und der Graph steil nach unten zeigt – damit müssen sich Pokerspieler abfinden. Wenn man einen schlechten Monat hat, kann man selbst mit gutem Spiel wenig entgegensetzen.

Wie bist du als Deutscher in Österreich aufgenommen worden?

Ganz gut eigentlich. In der Pokerszene konnte ich mich schnell integrieren. Da gilt mein Dank auch beispielsweise Agry Zarza, den ich schnell kennenlernen durfte. Das macht die Integration ja auch einfacher. Früher haben wir viel zusammen gepokert, auch mit APSA Präsident Martin Sturc.

Wie und mit welchen Turnieren geht es für dich 2013 weiter?

An der IPT Skopje werde ich teilnehmen, dann über Ostern nach Hause fahren, um meine Eltern zu besuchen. Anfang April geht es dann für zwei Wochen nach Spanien – Urlaub verbunden mit einem weiteren Antritt bei der MegaPokerSeries. Danach will ich zur EPT nach Berlin, um dann eineinhalb Monate wieder in Wien zu verbingen. Und auch heuer geht es wieder nach Las Vegas zur WSOP. Planung ist schon sehr wichtig, und bei rechtzeitiger Buchung spart man ja auch Reisekosten, wie bei Flügen zum Beispiel. Das Jahr ist schon durchgeplant, weil es ja Turniere gibt, die man sich als Pokerspieler keinesfalls entgehen lassen sollte.

 

Dieses Interview erschien im PokerMagazin 13 im April 2013