Anonymer Floorman History

In Wien wurde schon immer gepokert. In Hinterzimmern, im Casino und natürlich im Kaffeehaus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte eine große karten- und pokerbegeisterte jüdische Gemeinde in Wien. Die folgenden Geschichten spielen in den frühen 1910er-Jahren in der Pokerhauptstadt Europas.

Verlustangst

Levy stürmt verdrossen ins Kaffeehaus, erblickt dort Herschel und ruft ihm noch im Gehen sehr aufgebracht zu: „Herschel! Herschel! War ich gestern betrunken und hab‘ beim Kartenspiel mein ganzes Geld verspielt?“ „Ja, das kann ich dir bestätigen!“ Darauf der erleichterte Levy: „Na zum Glück, ich hab‘ schon geglaubt, ich hätt’s verloren.“

Der Notfall

Beim Rabbi Kohn läutet abends um acht das Telefon und Dr. Mandelbaum ist am Apparat: „Rabbi, wir brauchen dringend noch einen vierten Mann fürs Pokerspiel. Dr. Rosenblatt und Dr. Rathenau sind schon anwesend.“ Als der Rabbi mit dem Mantel das Haus verlässt, ruft er seiner Frau zu: „Ich muss weg! Es ist etwas sehr ernstes – drei Ärzte sind schon da!“

Das Bedauern

Rebstock, der im Kaffeehaus wegen seiner freundlichen und immer netten Art sehr beliebt war, ist gestorben. Levy und Herschel, die viele Stunden mit Rebstock verbrachten, betrauern den Tod ihres Kartenfreundes: „Der selige Herr Rebstock war einzig in seiner Art. Leider, leider sterben nicht alle Tage solche Leute!“

Die Existenzsicherung

Levy und Herschel sitzen am Pokertisch. Levy verliert eine Hand nach der anderen und beginnt zu lamentieren: „Ich spiele seit Jahr und Tag nur mit Defizit.“ Darauf meint Herschel etwas verständnislos: „Warum hörst du nicht auf mit Poker?“  Levy erwidert: „So – und wovon soll ich dann leben?“