Ein dreckiges Spiel

Könnte es Adrian Monk am Pokertisch aushalten? Ein Versuch im Poker Royale.

Poker findet meist in einigermaßen geschlossenen Räumen statt. Nur eine Minderheit der Spieler kommt direkt von der Baustelle, auch nach der Waldarbeit finden eher wenige den Weg direkt an den Tisch. Selbst glückbringende Rauchfangkehrer zahlen das Buy-in praktisch nie, während sie noch in Dienst sind. Es sollte also einigermaßen hygienisch am Pokertisch zugehen. Am 2. März fand die erste empirisch nicht ganz haltbare, aber dennoch aufschlussreiche Überprüfung dieser «Hygiene-Hypothese» statt: Das «Wenig Moos, viel los»-Turnier im Poker Royale in Wiener Neustadt, gespielt mit davor frisch gewaschenen weißen Stoffhandschuhen. Solche, die man von älteren Anzügen oder dem Buttler in Film und Fernsehen kennt.

Beim rituellen Besuch der Herrentoilette im Rudel kurz vor Turnierbeginn liegt die allgemeine PostPipiHändewaschquote noch bei geschätzten achtzig Prozent. Auf den ersten Blick ist auch im ziemlich vollen Poker Royale kein offensichtlich den eingangs erwähnten Gruppen zuordenbarer Teilnehmer auszumachen. Insgesamt nehmen am Turnier 376 Spieler mit 94 Re-Entrys teil. Mit dementsprechend 471 Buy-ins zu 20 Euro wird der garantierte Preispool von 10.000 Euro knapp nicht erreicht, somit werden «nur» die garantierten 10.000 Euro für die Top 50 ausgespielt.

Die ersten 20-Minuten Levels mit 10.000 Startstack (+2.000 Frühbucherjetons – eine nette Erfindung) erlauben einige analytische Beobachtungen der Spielerhände: Es mag an der Wahrnehmungsverzerrung durch die gezielte Beobachtung liegen – aber greifen sich wirklich so viele Spieler alle paar Minuten an die Nase, fahren sich durch die Haare oder haben die Hände irgendwo unter dem Tisch?

Gegen Ende des vierten Levels jedenfalls scheinen die Handschuhe noch so gut wie sauber zu sein. Scheinen auch deshalb, weil es im fürs Pokerspiel zwar angenehmen Licht im Poker Royale und bei den dunkelroten Tischen äußerst schwierig ist, signifikante farbliche Veränderungen auf weißer Baumwolle zu erkennen. Das ändert sich auch im weiteren Verlauf des Abends trotz Tischund Handschuhträgerwechsels nicht. Das Turnier endet schließlich gegen 3:30 Uhr am Morgen mit einer Teilung zu acht nach Chips. Über den Sieg und 2.100 Euro kann sich Mario Probhardt freuen.

3.3Erkenntnis am Morgen danach

Das wahre Ausmaß der aufgenommenen Verunreinigung der Handschuhe wird erst am Morgen bei Tageslicht erkennbar:

Also gar nicht so schlimm. Natürlich – Karten und (hoffentlich viele) Chips wandern im Laufe eines Turniers durch unzählige Hände. Hände, die nach dem Fold nicht starr am Tisch liegen, sondern – wie bereits erwähnt – ihren Weg über Nase, Haare, Sessel, Gläser, Türschnallen, Zigaretten etc. nehmen. Hände, die in kniffligen Situationen oder Coinflips mehr oder minder merklich schwitzen. Hände, die vor allem bei immer kürzeren Aufenthalten in den Sanitäranlagen – man will ja möglichst wenig verpassen – nicht immer ordnungsgemäß gereinigt werden.

Dennoch ist das Fazit des ersten Pokerhygiene-Tests beruhigend: Zumindest bei Turnieren an Nichtrauchertischen bleibt der Verschmutzungsgrad der Hände (und damit der Nase, Haare etc.) angenehm niedrig. An Rauchertischen, wo sich der Qualm auch an der Einrichtung ablagert, dürfte mehr haftenbleiben. Aber Adrian Monk wird wohl auch dort ohne Hygienepanikattacken pokern können.