Player Experience und Recreational Player

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„Player Experience und Recreational Player“ – zwei Begriffe, die vor allem von PokerStars gebetsmühlenartig und wie ein Mantra gepredigt werden. Doch sind sich die Spieler mittlerweile der Bedeutung bewusst? Das darf angezweifelt werden, wie die Streikbewegung der Pros zeigt.

Als Online-Poker groß wurde und der Pokerboom von Amerika nach Europa überschwappte, da gab es in Europa so gut wie keine Pros. Helden wie Phil Hellmuth, Phil Ivey, Daniel Negreanu oder auch Altmeister Doyle Brunson hatten Kultstatus und „The Big Game“ in Bobby’s Room war eine Sensation. Zehn Jahre später versucht sich jeder als Poker Pro, High Stakes Cashgames und Super High Roller Events überschlagen sich. Doch ist die Entwicklung wirklich eine gute?

Die Online-Poker Anbieter müssen immer mehr und härter um Spieler kämpfen. Gerne heißt es dann als Begründung, weil der Hype vorbei sei. Doch die wirkliche Ursache ist eine viel schlimmere – die Spieler haben es satt, Fischfutter zu sein. Tracking- und sonstige Hilfsprogramme machen jeden Unterhaltungsspieler zu einem Opfer. Spielergemeinschaften, gemeinsame Bankrolls und das exzessive Grinden, um irgendeinen VIP-Status zu erreichen, haben vielen die Freude am Online-Spiel verdorben. Und genau deshalb ist es so wichtig, den Reset-Knopf zu drücken.

Back to the roots ist angesagt. Der Unterhaltungsspieler will sich unterhalten, Geld zu gewinnen oder zu verlieren steht nicht im Vordergrund. Im Online-Game will er nicht sofort durchleuchtet und als Fisch klassifiziert werden. Im Live-Game will er nicht andauernd belehrt werden, wie man diese Hand richtig spielen hätte sollen. Begibt man sich auf einen Pokertrip für einige Tage oder eine Woche, dann will man dort etwas erleben. Poker ist cool, aber das Drumherum muss ebenfalls passen.

Im Live-Event Sektor hat PokerStars nicht nur mit der EPT, APPT, LAPT usw. sondern auch mit den vielen regionalen Events etwas Grandioses geschaffen. Die aktuelle EPT in Prag zeigt vor allem auch, dass die Turniere mit den kleinen Buy-Ins geliebt werden. Es müssen nicht immer tausende Euro oder Dollar sein, die man einsetzt. Main Events ja, spezielle Events für diejenigen, die sich das wirklich leisten können, ja – aber vor allem muss ein Live-Event auch für denjenigen, der keine € 1.000 für ein einziges Turnier ausgeben will, ein Erlebnis sein. Der Step down bei den Main Events der PCA und dem Grand Final wird von einigen kritisiert, doch Fakt ist auch – ein niedrigeres Buy-In (5k ist noch immer nicht günstig) bringt mehr Spielern die Chance, teilzunehmen. Und mehr Spieler sind nicht nur gut für den Veranstalter. Auch andere Anbieter wie Winamax und 888poker setzen zunehmend auf die Kombination Poker & Urlaub – oder anders ausgedrückt „Player experience“.

Im Online-Sektor haben viele Anbieter die höheren Limits bereits aus dem Programm genommen oder die Anzahl der Tische beschränkt. Immer lauter werden die Rufe nach Verboten von Hilfsprogrammen. Die Fast-Fold Pokervarianten waren der erste Versuch, den Trackingprogrammen zu entkommen, Spin & Gos der nächste. Doch wenngleich es für die Pokerunterhaltung gut ist, schadet es dem Pokerspiel, denn mit Strategie hat das nichts mehr zu tun.

Tatsache ist leider, je weniger Spieler, desto weniger Geld ist im Umlauf und die Pokerspirale dreht sich abwärts. Die Pros sind wichtig – als Aushängeschilder für Poker. Aber das ist auch wieder eine Rolle, in die sich vor allem die europäischen Heros nicht einfügen wollen. Lieber anonym im Hintergrund bleiben und niemandem erzählen, dass man Poker spielt. Poker im TV ist nicht attraktiv, Unterhaltungsformate wie die PokerStars.de Pokernacht oder die Geissens werden aber von der Pokercommunity heftigst kritisiert. Wie aber will man auf Poker aufmerksam machen ohne Stars und bekannte Namen? Poker muss für den „recreational player“ attraktiv bleiben. Viele Veranstalter und auch die Online-Industrie haben das schon erkannt – und hoffentlich auch bald die Pokerspieler selbst.

 

Don Quijote

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