The Place to be: Barcelona

Für (Poker)Reisende kann es Glück sein, einen Platz zu finden, an dem man Stille genießen kann, ohne sich zu langweilen. Im Zentrum hat Barcelona nicht viele davon zu bieten, denn die Hauptstadt Kataloniens ist eine sehr lebendige Stadt. Manchmal hat man den Eindruck, dass die Einheimischen die Stille geradezu fürchten. Der ewige Lärm, das ständige Gehupe der Autos, das Palaver! Auch in den Straßencafés ist es stets um einiges lauter als im anderen Europa. Aber wenn die Dächer, dieses fliederfarben-gelbe-rosa-türkis-graue-orange-rote Scherbenmeer Barcelonas, vom Park Güell aus, in der Abendsonne leuchten, dann ist es trotzdem nur der zweitschönste Ort der Stadt. Die Alltagshektik wird gern unterbrochen durch einen Kaffee, eine kurze Plauderei oder einen Aperitif in einer alten Wermut-Bodega.

alley-144046_1280Barcelona ist nach Paris die am dichtesten besiedelte Millionenstadt Europas. Auf ihren Plätzen hört man das hölzerne Knallen der Skateboards auf dem Asphalt und dazu spielen die Skater Tango wie anderorts Blink 182. Skaten und Flamenco, der hier Rumba Catalana heißt, gingen irgendwann eine absurde Verbindung ein. Einige Flamenco-Gitarristen skaten, andere treten bei Skater-Wettbewerben live auf. Wenn man in die Szene reintauchen möchte, dann geht man in die Betty Ford Bar in der Nähe vom Macba-Museum, welches garantiert Picasso-, Dalí- und Miró-frei ist.

Wenn man auf der Plaça de la Virreina vor einem Glas Orxata, die katalanische Mandelmilch, oder einem Weißwein sitzt, weiß man, dass es diesen Platz so nur in Barcelona geben kann. Er liegt in Gràcia, einem Viertel, das seinen dörflichen Charakter bis heute bewahrt hat; die Farbe der Häuser, das Licht, der dunkle Stein, der Geruch, die Mischung aus Ruhe und Lärm.
Wenn man vom Café aus die Leute beobachtet, die über die Plaza flanieren, kann man nicht genau sagen, ob es sich um ein armes oder ein reiches Viertel handelt, aber man spürt, dass es der ehrlichste Platz der Stadt ist – und wahrscheinlich der Schönste. Das Viertel nimmt jeden freundlich auf und lebt sein Leben weiter.

spain-242042_1280Die La Rambla del Mar ist die bekannteste Straße im Zentrum Barcelonas. Vielleicht sogar ganz Spaniens. Zwischen der Plaça Catalunya und dem Kolumbus Denkmal am Hafen erstreckt sich die, von riesigen Platanen beschattete, Flaniermeile. Das Leben pulsiert hier im Sommer und Winter – von vormittags bis spät in die Nacht. Auf keinen Fall sollte man aber hier Paella in einem der  Restaurants an der Touristenmeile essen. In den Seitenstraßen der Ramblas findet man ein authentischeres gastronomisches Angebot. Paella ist Mar i montanya, Meer und Gebirge. Es ist die seit Anfang des 14. Jahrhunderts typische Küche der Region. In ihr spiegelt sich der widersprüchliche Charakter der Katalanen wider. Schwankend zwischen ausgleichender Vernunft und eruptiver Spontanität. Nicht zufällig kochte der Katalane Ferran Adrià und seine Molekularküche das Restaurant El Bulli in Figueres zur kulinarischen Avantgarde Europas.

market-588334_1280Je näher das Wasser, desto stärker schlägt der kulinarische Puls der Stadt. In der schummrigen Halle des Boqueria-Marktes sind Papayas, Orangen, Mangos, Lychees und unzählige andere exotische Obstsorten zu bunten Monumenten gestapelt. An den Fleischtheken liegen neben Schinken, Salamis und Koteletts, Stierhoden, Lammnieren und Widderköpfe. Berge von Garnelen und Muscheln aller Art, dazu Hummer, Haie, halbe Thunfische, Rochen und ganze Kraken werden von Touristen fotografiert und von den Hausfrauen in ihre Körbe geladen.

In einer kleinen Bar stehen Männer jenseits der 70 in hellblauen Hemden mit  hochgekrempelten Ärmeln und grauen Hosen. Zuerst unterhalten sie sich nur  angeregt. Mit einem Glas Wein in der Hand knabbern sie dabei kleine frittierte Fische. Der Wiederholung vom Barca-Spiel im Fernseher an der Wand wird dabei trotzdem Aufmerksamkeit geschenkt. Später werden sie wild gestikulierend den mangelnden Einsatzwillen Neymars diskutieren.

barcelona-599066_1280Katalonien ist ein Weinland. Südlich von Barcelona liegt das Penedès mit seinen leichten, fruchtigen Weißweinen und seiner großen Cavakultur. Die besten katalanischen Rotweine kommen aus dem Priorat. Den kirschroten Mazuelo, den dunklen Garnacha Peluda, den aromatischen Garnacha Tinta oder den schweren Picapoll negre trinkt man zu den Tapas, in kleinen Bars die meist nicht größer als ein Wohnzimmer sind. Unter der Decke hängen Würste und Schinken und aus großen Eichenfässern wird der Hauswein direkt in die Karaffe gezapft. Es werden Kartoffeltortillas, Oktopus und Kaninchenteile, Sardinen, Oliven, Kapern, Garnelen, Manchego, Schinken und Blutwurst gereicht. Auf den Tischen stapeln sich die leeren Tonschälchen und der Wirt füllt nochmals die Karaffe auf. Typisch für Barcelona sind Tapas nicht. Erst seit zwei Jahrzehnten sind die aus Sevilla stammenden Happen in Barcelona populär. Tapas Bars sind nicht nur Stätten der Nahrungsaufnahme, sondern auch der Kommunikation und dem gemeinsamen Genießens. Sie dienen je nach Tageszeit als Café, Imbiss, Restaurant oder Kneipe. Hier verabredet man sich mit Freunden, Familie oder Nachbarn. Sie sind die kleinen Wohnzimmer der Stadt.
Und überall weht diese maritime Brise, die die Stadt umspielt – es ist das Parfum Barcelonas.

Barcelona-Tipps: siehe PokerCityGuide – Barcelona

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