The Place to be: Berlin – Pulsierender ist Keine

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Es ist die Stadt der vielen Städte. Berlin ist die Wundertüte der europäischen Metropolen – auf der ständigen Suche nach sich selbst. Berlin ist gespalten zwischen kosmopolitischer Kreativmetropole und preußisch geprägter Elitestadt. Ihre Bestandteile erinnern zumeist an völlig anderes:

Brandenburg – Konzert, Spandau – Ballett, Köpenick – Hauptmann, Pankow – Sonderzug, Schöneberg – Barbara, Kreuzberg – Jakob, Charlottenburg – Zwiebel, Neukölln – Modeste, Marzahn – Cindy, Lichtenberg – Figur, Tempelhof – Vatikan, Havel – Vaclav. Selbst „Berlin“ lässt Assoziationen mit Anderem zu – Take My Breath Away.

Berlin ist geballte Historie: die Mauer, DDR, Arbeiterbewegung, Nazi-Bauten. Es ist Machtzentrum und der Beginn von Revolutionen.

Bild1Berlin ist Kultur: David Bowie und Iggy Pop ließen sich in den 70ern von der morbiden, aufputschenden Atmosphäre inspirieren. Bowie produzierte in Schöneberg wohnend die Alben „Heroes“ und „Low. Iggy Pop veröffentlichte seine Hymne auf die Berliner S-Bahn „The Passenger“*. Noch heute finden man in kleinen Wohnzimmergigs jene pulsierte Kreativität, in der sich Berlin in seiner kulturellen Eigenständigkeit erkennen lässt**.

Über Berlin kann man tatsächlich so gut wie alles sagen – es stimmt eigentlich immer. Die Stadt ist offen und introvertiert, avantgardistisch und bieder, nostalgisch und gegenwartssüchtig, funkelnd und eintönig. Berlin ist Nadelstreif und Techno Party, europäisches Drehkreuz und Flughafenchaos. Eines ist Berlin aber sicher nicht: München mit Graffiti.

Bild 4Am WSOPE-Austragungsort wird die Zukunft geübt

Der Potsdamer Platz ist das moderne Berlin. Er beeindruckt mit seinen multinationalen Konzernen, imponiert mit progressiven Gebäuden, gibt an mit seinen Luxushotels. Hier wird die Zukunft geübt. Die Mauer ist spurlos verschwunden. Es scheint, als wolle Berlin seine Unschuld wiedererlangen, indem es Überreste aus seiner Vergangenheit tilgt.

Eines der en voguen Amüsement-Zentren der Stadt ist der Marlene Dietrich-Platz, der direkt neben dem Potsdamer Platz liegt. An jeder Ecke ein Spektakel, das groß beleuchtet beworben wird. Die Blue Man Group, das IMAX, Restaurants von Bio bis Kette. Für jene, die Shopping als Vergnügen sehen, stehen ganze Arkaden mit Geschäften bereit. Das, nicht gerade durch seine Unauffälligkeit ins Bewusstsein dringende, gläserne Gebäude in dem auch die Spielbank beheimatet ist, ursprünglich als Schauraum für Nobellimousinen geplant, sieht genauso aus, wie sein Architekt heißt: „Renzo Piano“. Berliner Moderne trifft Murano und denkt es nicht ganz zu Ende. Charme hat es letztendlich doch.

Direkt neben dem Casino posiert funkelnd der Eingang zum Theater am Potsdamer Platz. Seit viereinhalb Jahren stellen hier Musical-Performer den lindenbergschen Horizont dar und manchmal steht Udo am Platz vor dem Theater um den Besuchern persönlich Guten Tag zu sagen.

Wenn Bowie und Pop sich in den 70ern im „Dschungel“ trafen, so würden sie sich heute nicht ins Adagio verirren. Berlins nobelster Club liegt im selben Komplex wie Theater und Spielbank und ist in den Nächten die hedonistische Gratwanderung zwischen Tugend und Dekadenz in seiner preußischsten Party-Form. Deshalb, oder trotzdem, sollte der Name schon Clooney, Trump, Hayek oder Wowereit sein. Am Marlene-Dietrich-Platz wird nicht nur gefeiert, es wird auch konsumiert. Die Arkaden sind das, was sie sein sollten. Eine Geschäftsansammlung wie sie nicht selten in deutschen Städten zu finden ist. Und die Systemgastronomie am Marlene-Dietrich-Platz scheint die bevorzugte Speisewirtschaft des Charlottenburgers zu sein. Konzerne scheinen den Platz für ihr „Essensangebot“ übernommen zu haben. Die kleinen, feinen Restaurants sind ums Eck.

* Iggy Pop – The Passenger bit.ly/1FrfqFt

**Vom 9. bis zum 24. Oktober (2015), während der WSOP Europe, finden über 5000 Veranstaltungen in Berlin statt. http://bit.ly/1F2nsVc

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