Wir befinden uns in der siebten und letzten Staffel von Poker After Dark, Folge 9.

Die folgenden zwei Hände stammen aus der ersten und letzten Pot Limit Omaha Runde bei „Poker After Dark“. Die Folge ging in die Geschichte ein, als die höchste Omaha Partie die jemals im Fernseher ausgestrahlt wurde. Kein Wunder, waren doch nur Hochkaräter am Tisch. Phil Ivey, Patrick Antonious, Tom „Durrrr“ Dwan, Phil Galfond, Brandon Adams und Brian Hasting. Letzterer hatte zuvor die legendärste Online-Partie aller Zeiten gegen Viktor Blom bestritten. Im Match gegen „Isildur1“ nahm er dem Schweden fünf Millionen Dollar ab, Poker Variante: Omaha. Viel Spass!

Hand 1:

Gespielt wird also Cashgame PLO 300/600, Ante 100. In die nun folgende Hand sind Patrik Antonius und Tom Dwan involviert. In dieser Hand wird zweimal gestraddelt, wobei der letzte Straddle bei $2.400 liegt. Antonius eröffnet die Hand mit KK87 double-suited am Button auf $9.300 . Der Openraise ist Standard, da sich die Hand in den Top 5 Prozent der Starthände befindet.
Dwan hält im Small Blind JT86 single-suited und entscheidet sich zu callen. Sehr spekulativ und in meinen Augen schlecht. Die Hand ist nur moderat gut connectet und wird oft von Antonius Range dominiert. Abgesehen davon befinden sich noch weitere Spieler hinter Dwan, die weiter erhöhen oder callen könnten. Entscheidet sich ein weiterer Spieler zu callen, befindet sich Dwan in der sogenannten „Sandwich Position“. Dabei wird Dwan am Flop oft mit einer Continuation Bet von Antonius, dem Preflop Aggressor, konfrontiert und muss bei seiner Entscheidung weitere Spieler hinter sich beachten. Das kann sehr unangenehm werden.
Alle weiteren Spieler folden und wir sehen den Flop heads-up.

FLOP (J95 Rainbow, $22.500 )

Tom trifft einen überdurchschnittlich guten Flop. Mit Top Paar und einem open-ended Straight Draw liegt er gegen die schwächeren Hände von Antonius noch vorne. Wichtig zu beachten ist hier, dass Dwan „nur“ noch $100.000 vor sich liegen hat. Er entscheidet sich, am Flop für $16.000 zu donken. Ein Fehler, meiner Meinung nach.
Eine gute Donking Range machen zwei Dinge aus: Erstens muss man sich sicher sein, wie man gegen ein Raise des Gegners spielt, und zweitens sollte der Turn so einfach wie möglich spielbar sein, also Nuts oder gar nichts.
Antonius raist und setzt Dwan nun praktisch All-in. Dwan steckt nun in einem Dilemma. Er wird gegen viele Hände von Antonius hinten liegen. Jegliche Kombinationen von Overpairs mit besseren Straight Draws sind signifikante Favoriten gegen Dwan. Sollte Antonius ein besseres Top Paar halten, sind Dwans Outs auch oft nicht alle gut.
Da durch seine Donkbet am Flop aber schon so viel Geld im Pot liegt, entscheidet sich Dwan, den Rest seiner Chips in die Mitte zu schieben, einen sogenannten Pot-Odds-Call zu machen.
Meiner Meinung nach sollte Dwan den Flop check-raisen, um so Antonius mit schwächeren Händen betten zu lassen und ihm die schwierige Entscheidung zu überlassen. Im Omaha ist es oft am besten, marginale Draws out of position mit einem Check Raise zu spielen, um so keine schwierigen Entscheidungen auf Turn und River zu haben.
Die Hand wird zweimal gedealt, run it twice, und die beiden splitten den Pot.

Hand 2:

Nach wie vor sitzen dieselben Spieler gemeinsam am Tisch und spielen PLO Cashgame. Phil Ivey steht bereits bei einem Plus von 516k, Phil Galfond hat sich 191k erspielt. Alle anderen Spieler sind im Minus. Das Meiste hat Patrik Antonius abgegeben müssen. In die folgende Hand sind Patrik Antonius, Phil Galfond, Phil Ivey und Brian Hastings involviert.

PREFLOP
Phil Ivey (K1097) sitzt im Straddle mit $1.200. Nach zwei Limps entscheidet sich Antonius, aus dem Big Blind auf $6.000 zu potten. Sein Holding 6542 double-suited gilt als eine der typisch überspielten Hände im Pot Limit Omaha. Preflop sollte jeder gute Pokerspieler darauf bedacht sein, seine Gegner mit starken Starthänden zu dominieren. Niedrige Rundowns sind daher als schwach einzustufen.

Flop (8c2c6d, $24.000)

Zu viert am Flop angelangt, muss Antonius nun out of position gegen drei Spieler eine Entscheidung fällen. Er hat noch ca. $80.000 vor sich. Mit Bottom Two Pair und einem Gutshot entscheidet er sich – korrekt, wie ich finde – zu potten und sich zu committen. Gleichzeitig baut er großen Druck auf die drei Spieler hinter sich auf. Ivey callt mit einem Wrap (großer Straight-Draw) und einem King-high Flush Draw. Ich finde einen Call hier besser als einen Raise. Iveys Hand will noch Value von schlechteren Draws bekommen. Den Nutflush-Draw kriegt er sowieso meistens nicht mehr zum Folden.
Hastings foldet und Phil Galfond hat nun eine große Entscheidung zu treffen. Da seine Hand von allen Seiten zu den Nuts zieht (Nut-Gutshot + Nutflush-Draw) und er schon ein Paar getroffen hat, schätzt er seine Hand korrekterweise als enorm stark ein. Galfonds Hand hat am Flop sehr viel Potenzial und Prozente gegen so gut wie alle Hände, die Ivey da nur callt. Deshalb finde ich den Raise korrekt, um sofort Value zu generieren.
Antonius stackt nun wenig überraschend off und die Action ist wieder bei Ivey. Obwohl sein Straight-Draw zu den Nuts zieht, kann er sich nicht sicher sein, ob sein Flush-Draw noch gut ist. Wenn Galfond eine Made Hand am Flop raist, steht Ivey gut da, hält Galfond jedoch den Nutflush-Draw, kann es eng werden. Ivey entscheidet sich, mit der Hand zu gehen. Ich finde seine Entscheidung korrekt, auch wenn ich nicht glücklich wäre in seiner Situation.

Ivey und Galfond splitten den Pot mit einer Straße.

*Fernando „JNandez87“ Habegger ist professioneller High Stakes Online Poker Spieler und Poker Coach (www.checkraiseallin.ch). Er ist ein SuperNova Elite Player und High Stakes Pot Limit Omaha Coach für Runitonce.com