Key Hands

Zwei Hände vom Finaltisch der EPT Wien – brutal analysiert von Torsten Brinkmann.

Wir befinden uns am Final Table der EPT Wien 2014. Die Blinds liegen bei 20k/40k, das Ante bei 5k. Der Final Table wird zu acht gespielt. In die erste Hand sind Marko Neumann (1.585 Mio./40BB) und Frei Dilling (4.230 Mio./106BB) verwickelt. Marko findet am Hijack AhQh, raist auf 85k und bekommt eine 3-Bet von Frei Dilling am Button auf 210k mit Td-8s. Dilling denkt sich, dass Marko hier mit einer sehr weiten Range openraist und versucht, den Pot direkt mitzunehmen. Marko sieht Dilling in diesem Spot sicherlich auch mit einer weiten Range 3-betten, möchte die Hand allerdings nicht 4-Bet/Call spielen und entscheidet sich daher für einen Call. Ohne jetzt die Hände und Spielertypen zu kennen, können wir Marko in diesem Spot eine stärkere Hand geben als Dilling. Der Flop kommt Qd2d7s. Die Action geht jetzt Check/Call für 180k und der Pot liegt nun bei 880k. Da Dilling preflop schon eine starke Hand präsentiert, wird er diesen Flop in Position fast immer contibetten. Marko hat jetzt die Option, zu raisen oder zu callen. Raisen macht eher wenig Sinn, da alle Bluffs von Dilling folden würden und ich denke kaum, dass Marko hier in der ersten Hand des Final Table ein Spewy Play von Dilling inducen kann. Sowieso würde sich Marko oftmals nur gegen bessere Hände isolieren und in einen schlechten Spot kommen. Die beste Option ist in diesem Fall, zu callen und zu hoffen, dass Dilling alle Bluffs hier am Turn noch mal feuert. Da Dilling mit seiner gesamten Range immer contibettet, können wir Markos Hand nach dem Call am Flop generell stärker einschätzen. Markos Callingrange könnte man beispielsweise auf AdTd, AdJd (wenn er Flushdraws nicht am Flop schon broked), KQ, QJ, AQ, 77-AA eingrenzen.

Der Turn bringt jetzt die 2s und paired das Board. Eine sehr gute Karte für Marko. Wieder geht die Action Check/Call, diesesmal für 375k und der Pot ist jetzt 1.636 Millionen groß. Marko hat knapp eine Potsize Bet left. Noch immer können wir kaum etwas über Dillings Hand sagen, nach seiner 2nd Barrell sollten wir ihn allerdings schon etwas stärker einschätzen und ihm eine Valuerange geben, gerade weil die Turnkarte ein schlechter Bluffspot ist. Ich selbst hätte die Hand am Turn aufgegeben. Wir bekommen hier außer Flushdraws kaum Hände zum Folden, zumal wir auch stark annehmen können, dass Marko hier seine Flushdraws am Flop for Stacks gespielt hätte. Nach dem Call am Turn bin ich mir aber fast sicher, dass Dilling die Hand aufgeben wird. Markos Range ist hier einfach viel zu stark. Die 10s am River ist eine totale Blank und ändert nichts an der Boardstruktur. Lediglich Dilling kann jetzt seine Hand zu einem Pair verbessern und hat jetzt Showdown Value gegen Pairs bis 99, die noch in Markos Range liegen. Die Action geht jetzt Check/Check und Marko gewinnt einen wichtigen Pot.

In die direkt folgende Hand sind drei Spieler involviert. Dilling (3.5 Mio./ 88BB) raist am Cutoff mit 7s7c. Gordillo (4 Mio./100BB) callt im SB mit AhJc und Timo Pfützenreuter (3.7 Mio./ 93BB) schließt sich dem im BB mit QcJd an. Soweit alles nachvollziehbar, die beteiligten Spieler sind sehr deep und es gibt kaum einen Grund, hier eine andere preflop Konstellation in Erwägung zu ziehen. Sicherlich könnte man argumentieren, an Gordillos Stelle für Value zu 3-betten, weil Dilling hier sehr light ist und wir seine Range oftmals dominieren. Unter den gegebenen Umständen möchte man sich allerdings nicht in schwierige Spots bringen und deshalb ist die Hand preflop völlig Standard. Auch für Timo wäre ein Squeezeplay in dieser Hand kein gut gewählter Spot. Dafür sind alle Beteiligten einfach viel zu deep, Preflop-Folds sind hier kaum zu erwarten und postflop ist seine Hand oftmals dominiert.

Als objektive Betrachter sollten wir in diesem Spot Gordillo die stärkste Hand geben. Wie gesagt, kann Dilling hier sehr weit openraisen und Timo auch sehr weit zu guten Potodds nachlegen. Gordillo hat hier oft den schwierigsten Spot und deshalb schätze ich seine Callingrange hier schon recht stark ein. Der Flop kommt Td-4s-Ac und alle Spieler checken. Gordillo hält Top Pair mit gutem Kicker, Timo einen Gutshot und Dilling lediglich ein Paar Siebener. Bei der Action am Flop können wir zunächst annehmen, dass Dilling hier oftmals eine relativ schwache Hand hält. Das Board kommt so trocken und ist eigentlich perfekt zum Contibetten, sowohl als Bluff als auch für Value. Ebenso trifft es die Range der Spieler aus den Blinds recht gut und ich gehe stark davon aus, dass Dilling ohne realisierter Equity am Turn mit seiner Hand durch ist. Zu den anderen Handranges können wir noch relativ wenig sagen, da bei dieser Boardkonstellation zu 90 % zum Preflop Aggressor gecheckt wird. Der Turn bringt den Kc und ändert die Boardstruktur ein wenig. Es öffnen sich Flushdraws, Straße mit QJ wäre möglich und Dilling könnte mit einem kleinen Teil seiner Checkbehindrange am Flop zu einem Set improven. Gordillo spielt jetzt 105k für Valueprotection in einen Pot von 280k. Die Turnkarte öffnet viele Draws und man möchte hier sicher nicht checken. Timo hält hier allerdings die Nuts und bringt das Raise auf 265k. An dieser Stelle ein gutes Sizing, da er so häufig neben Twopairs, Sets und guten Flushdraws auch schlechte Top Pairs mit wenig Verbesserungspotenzial in der Hand behält. Dilling foldet selbstverständlich und Gordillo legt nach zum Call.

An diesem Punkt fängt die Hand an, etwas interessanter zu werden. An Gordillos Stelle sollten wir uns jetzt überlegen, mit welchen Händen Timo dort raist und wie unsere Entscheidung auf entsprechende Riverkarten aussehen wird, vorausgesetzt wir callen das Raise am Turn. Ich würde Timo in dieser Hand folgende Ranges zuordnen: 44,TT, QJ, AT, KT für Value und Qxcc, Txcc als Semibluff. Da ich Timo hier auch niemals totale Air als Bluff gebe und ihn in dem Spot eher stark einschätze, empfinde ich einen Fold am Turn als beste Option. Die einzige Alternative ist hier, am Turn zu callen und dann je nach Riverkarte neu zu entscheiden, schließlich bekommen wir noch 1:4 Odds. Aber selbst dann sehe ich uns auf any River folden. Der Pot ist jetzt 820k und die Riverkarte ist die Ts. Gordillo check/callt jetzt eine Bet von 505k. An dieser Stelle – so, wie die Hand von Gordillo gespielt wurde – ein klarer Fold. Selbst ein kleiner Teil aus Timos Semibluffrange am Turn improved jetzt zu Trips und kann jetzt noch leicht valuebetten.