Way of Play – Queens out of Position

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Situation:

Estreallas/UKIPT Main Event Marbella, Buy-In € 1.100. Etwa 90 Minuten nach Turnierstart nutze ich die Late Registration, gerade am Tisch angekommen mit 20.000 Chips Startstack, Blinds bei 100/200. Keine bekannten Gesichter am Tisch.

Preflop:
Ich habe noch nicht einmal Blinds bezahlt und finde in einer der ersten Hände QQ in UTG+1, also in recht früher Position. Da auf den ersten Blick alle noch annähernd Startstack haben und der Average um die 100BB sein dürfte, entscheide ich mit 3x zu open-raisen.

Ein Spieler in MP, zwei Seats links von mir, 3-bettet nun auf 1500. Soweit nichts Ungewöhnliches, aber das Problem an der Sache wird im Verlauf der Hand deutlich.

Ich calle die 3-Bet, da ich so deep nicht mein Turnierleben preflop riskieren möchte und ich von schlechteren Händen keine Chips mehr bekommen werde (alle Bluffs folden, KK und AA stacken mich).

Flop: 887 (Rainbow, also kein Flushdraw)

Mein Gegner (ein junger Spieler, vermutlich Spanier, könnte aber auch aus Osteuropa kommen) spielt die Continuation-Bet in Höhe von 2000 Chips.

Meine Hand ist hier zu stark um zu folden, aber auch zu schwach um zu raisen, ähnliche Problematik wie preflop. Ich wähle also die einzig übrige Option – und calle.

Turn: 887 8

Mein Gegner bettet weiter, 4000 in die mittlerweile ordentliche Summe von 7300 im Pot.

Mir gefällt die Turnkarte eigentlich sehr gut, andererseits kann er nun seine höheren Paare auf Turn und River ohne Probleme valuebetten und mich gegebenenfalls stacken. Außerdem nimmt die Karte vielen seiner Bluffs den Wind aus den Segeln, da eventuelle Straight Draws und Backdoor-Flushdraws wertlos werden, sofern ich ihn nicht mit AK downcalle.

River: 887 8 3

Die klassische Blank. Ich überlege eine Weile, ob es Sinn macht zu blockbetten, also einen relativ geringen Einsatz im Verhältnis zum Pot zu tätigen, um von kleineren Paaren und evtl. wilden Herocalls mit A high noch Value zu bekommen, entscheide mich dann aber zu checken und im Fall einer weiteren Bet meines Gegners situationsabhängig zu entscheiden.

Nach meinem Check greift mein Gegner sehr schnell zu seinen Chips und wirft zwei der 5K-Chips in die Mitte, was einer ziemlich ordentlichen Bet entspricht (es sind 15,3K im Pot) und meinen Stack auf etwa 10BB krüppeln würde.

Hier kommt das Problem an der Situation:
Ich habe keinerlei Informationen über den Gegner, außer die in der gespielten Hand erhaltenen. Ich weiß überhaupt nichts über seinen Spielstil, außer vielleicht, dass er jung ist und Südländer und deshalb vielleicht etwas auf der looseren Seite unterwegs, aber das sind nur Annahmen aufgrund von Erfahrungswerten.

Ich habe mich nach langem Überlegen dazu entschieden, zu folden und meine Hand offen gefoldet, worauf ein anderer Spieler am Tisch, der bereits 90 Minuten mit dem Spieler hinter sich hatte, mich für geisteskrank erklärte und mir erläuterte, dass dies ein Snapcall wäre, so wie der andere hier unterwegs war.

Leider hatte der Herr Recht, mein Gegner drehte eine seiner Karten um und es war eine 5. Auch was in den kommenden Stunden mit ihm am Tisch passierte, öffnete mir die Augen und mir wurde klar: wäre die Hand nach zwei gespielten Orbits so abgelaufen oder hätte ich das Turnier von Beginn an gespielt, dann wären meine Chips am River schneller in der Mitte gewesen als die meines Gegners.

Aber so ist Poker, man kann sich immer nur an den Informationen orientieren, die einem gegeben sind, und manchmal zieht man eben die falschen Schlüsse, aber eine weitere Weisheit kann ich Euch anhand dieses Beispiels auch mit auf den Weg geben:

Lasst euch nicht von EINER schlecht gespielten Hand oder einem vom Gegner gezeigten Bluff entmutigen. Ein Turnier wird nicht am ersten Tag gewonnen und man braucht viel Geduld und Disziplin. Wer einen Beweis dafür braucht, kann gerne googlen, welchen Platz ich in am Ende des besagten Turniers erzielt habe.

Es gab auf jeden Fall noch einige interessante Hände im Verlauf des Turniers, unter anderem auch mit dem Gegner in dieser Hand, also seid gespannt, vielleicht findet sich in der nächsten Ausgabe eine Hand, in der wir die History mit dem Gegner benötigen.

 

Christian Bauer

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