Way of Play – Final Table Bubble

Die Situation:

Wien 2014, Eureka Main Event – Day 3 – Final Table Bubble
Blinds 20k/40k Ante 5k
Es befinden sich noch 12 Spieler im Turnier, wir sind also 6-handed und die Action foldet bis zu mir am Cutoff
CO (Ich) KdTd – Stacksize von ca. 1,3M
BTN (Bryan Paris, ein ziemlich solider Regular aus den USA)
SB random
BB (sehr aggressiver polnischer Reg, bisher allerdings keine großen Livescores)

Christian Bauer:
Preflop: Ich minraise mit KdTd den Cutoff auf 80k. Der Big Blind defended nun.
Er ist mit ca. 7M Chipleader des Turniers. Die Final Table Bubble ist eine sehr spezielle Situation, unerfahrene Spieler neigen dazu, dort extrem tight zu werden und wollen um jeden Preis den Finaltisch erreichen. Ich hatte bereits ein Level am neuen Tisch gespielt und ein ganz gutes Gefühl für die Situation, denke ich.
Die Range des Big Blinds ist hier nicht so einfach zu definieren, da er einerseits gerne postflop gespielt hat, also viele spielbare Hände (suited, connectors, 1-gapper, 2-gapper, broadways) flatten wird, allerdings auch gerne ge-3-bettet hat, wenn die Situation oder seine Hand günstig war. Denke z. B., dass er jedes Ax 3-betten sollte und wohl 88+ 3-bet/callen wird.

Flop: 4d3h2s
Ich sehe erstmal nicht viel Grund, zu betten. Zum einen möchte ich den Pot klein halten, zum anderen hätte der Chipleader jedes Ax ge-3-bettet, da er mit seinem Stack einfach wahnsinnig viel Druck aufbauen kann in dieser Phase des Turniers. Ich halte also sehr oft noch die beste Hand, bekomme allerdings selten einen Call vom Schlechtere. Ein weiterer Vorteil könnte sein, dass ich Bluffs induziere, wobei man darüber streiten kann, ob man wirklich geblufft werden will, bzw. diese Bluffs im weiteren Verlauf der Hand catchen möchte. Ich verstehe also auch Argumentationen für „c-bet and take it down“. Wir checken behind.

Turn ist eine 9h.
Nun leadet der Big Blind für 150K, was für mich nicht wirklich Sinn ergibt, außer er denkt mit einer 9 soweit, dass ich meine Ahighs immer calle (was ich wohl auch tun würde), ansonsten wird er hier sehr oft Luft haben und versuchen, den Pot mit einer Bet zu gewinnen, weil sein 8high nicht so viel Showdown-Value hat. I call.

River bringt eine weitere 9c.
Er bettet nun 400k, was (genau wie die Turnbet) relativ groß ist und meinen Stack ziemlich krüppeln würde, für den Fall, dass ich calle und nicht gut bin. Ich weiß noch in etwa meine Gedankengänge am River: „Oh Boy … warum keine C-Bet … fxxx my life …“

Aber dann ging ich etwas strukturierter ran und hab mir noch mal alle Faktoren ins Gedächtnis gerufen:
– FT-Bubble und Reg mit Chiplead kann mich enorm unter Druck setzen
– werde wohl eher solide/zurückhaltend wahrgenommen
– BB defending Range (!!!) Einfach zu viele Kombinationen, die ich beat habe
– dazu das im Small Talk gesammelte Wissen über ihn (Regular, online erfolgreich, war in jeden Großen involviert, etc.)
Am Ende waren unter den gegebenen Informationen einfach so viele, die FÜR den Call sprachen und nur sehr wenige dagegen, deshalb nach kurzer Bedenkzeit am River dann doch ein recht schneller und optimistischer Call.
Manch einer wird jetzt vielleicht sagen „No guts, no glory!“ – aber wenn man es genauer betrachtet, ist es wohl ein ziemlicher Standardcall, auch wenn man ihn dann erstmal machen muss bei 12 left und 240k€ on Top …
Villain hatte QJo, um das Ganze dann auch noch aufzulösen!Hoffe, Ihr konntet was mitnehmen und good luck an den Tischen!

josipJosip Simunic

Erstmal finde ich es gut, dass Christian hier relativ viele Infos vor der Hand preisgibt, denn dadurch ist es leichter für mich und Euch, mich ins Szenario reinzuversetzen und die bestmögliche Line zu wählen. Preflop auf jeden Fall in der Position ein Standard open.

Flop: Ich finde hier den Check behind ganz gut, weil es, wie gesagt, auch eine spezielle Situation im Turnier ist und wir in dem Spot gegen den Chipleader im Turnier spielen, der sehr viel Druck mit seinem Stack machen kann. Es spricht auch nichts gegen eine C-Bet. Ja, wir werden zwar von nichts Schlechterem gecallt, aber es macht mir auch nichts, wenn er QTs, 89s usw. weiter foldet, da diese Hands gegen uns noch relativ viel Equity haben. Fazit: Check behind find ich gut.

Turn: In der Situation wird unser Gegner sehr oft leaden –nach unserem Check behind am Flop. Denke, ich würde hier auch auf jeden Fall einmal callen. Sollten wir river improven, ist halt noch mal ein easy Call und wenn er iver checkt und unsere Hand verbessert sich nicht, würde ich wahrscheinlich denken, dass er öfter Showdown Value hat und dann river eventuell bluffen. Ja, nach Rivercard.

River: Ist eigentlich ne gute Karte für uns, weil wenn wir Turn ahead waren, dann sind wir obv jetzt noch immer ahead. Seine Sizings am Turn (150k) und River (400k) sind schon relativ groß und polarisiert. Entweder wir herocallen und kucken in die Nuts oder wir sind halt gut. Denke nicht, dass Villain hier das mit 2nd Pair macht – falls schon, hat er uns halt geowned. Ich finde den Rivercall hier gut, weil eben seine großen Sizings, vor allem die Riverbet, ihn so polarisiert, dass ich denke, dass er hier öfter blufft, als er es wirklich hat. Tu‘ mir da auch ein bisschen leichter zu urteilen, weil ich gegen Villain schon gespielt hab und er schon Betsizingtells hat.

Daher, Chris: Good Call. WP